Wir müssen unser gemütliches Appartement gegen 10 Uhr verlassen. Irgendwie schade, aber wir wollen ja wieder in Richtung Osten. Vorher müssen wir uns allerdings noch entscheiden: holen wir den verpassten Þingvellir- Nationalpark heute noch nach oder fahren wir in Richtung Vik, wo Wasserfälle und schwarze Sandstrände auf uns warten? Die Entscheidung wird aus dem Bauch heraus getroffen: Die Sonne scheint und wir würden uns vielleicht ärgern ihn übersprungen zu haben. Also, Auto packen und los! Das Ziel liegt nur 40 Minuten entfernt, wir fahren entlang des  Þingvallavatn, dem größten, natürlichen See Islands bis zum Abzweig. Also eigentlich dachte ich, die die für die Navigation zuständig ist, dass es der Abzweig zum Besucherzentrum und Parkplatz ist. Falsch gedacht, denn es handelt sich im um eine Stichstrasse zum Seeufer. Auch nicht schlimm, wir nehmen was kommt. 

Im Nationalpark gibt es, neben dem See, einiges zu sehen: da wäre die Schlucht, in der die eurasischen und nordamerikanischen tektonischen Platten jedes Jahr ca. 2 cm auseinander driften, der Hakið-Aussichtspunkt, der Öxarárfoss-Wasserfall, der Drekkingarhylur-Teich, die Silfra-Spalte, der Gesetzesfelsen und vieles mehr. Der beste Ausgangspunkt für all das, soll das Besucherzentrum sein. Wir entscheiden uns allerdingsn für den Parkplatz P5, in der Nähe der Silfra-Spalte und schnüren die Wanderschuhe. Zum Glück scheint die Sonne und wir müssen keine Hosen wechseln. 

Wir starten zum Hakið-Aussichtspunkt, der hoch über unseren Köpfen thront. Viele Stufen und ein paar Meter müssen wir hoch, bevor sich der Blick auf die Kontinentalspalte öffnet. Ach wie gerne würden wir jetzt die Drohne in die Luft jagen!? Aber das ist hier strickt verboten! Also müssen Kamera und Handy und Marcos langer Arm herhalten. 

Danach geht es wieder bergab durch die Almannagjá (Allmännerschlucht). So heißt die Schlucht zwischen den tektonischen Platten, die jedes Jahr etwas mehr auseinandergeht. Wir laufen zwischen hohen Lavawänden und genießen den Ausblick. Es geht weiter zum Lögberg (Gesetzesfelsen), einem geschichtsträchtigen Ort, denn hier wurde im Jahr 930 das erste Parlament Islands gegründet. Hier wurden Reden gehalten und Entscheidungen getroffen, die das frühe isländische Gemeinwohl prägten. Wir setzen uns hier in die Sonne und genießen die Aussicht auf die weite Landschaft und den Þingvallavatn. Über uns flattert die isländische Fahne im Wind. 

Als sich die Sonne hinter Wolken versteckt, gehen wir weiter zum Drekkingarhylur-Teich. Die Übersetzung (Ertränkungsbecken) verrät, dass es sich um keinen schönen Ort handelte. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert diente das Becken als Hinrichtungsort für Frauen, die bestimmter Verbrechen wie Kindstötung oder Ehebruch überführt wurden. Männer wurden übrigens in der Regel gehängt oder geköpft. 

Nach diesem unheimlichen Ort biegen wir rechts in Richtung Þingvallakirkja ab, einer Holzkirche aus dem Jahr 1859. Direkt neben der Kirche steht das Haus Þingvallabær, das als Sommerresidenz des isländischen Premierministers dient. Er scheint heute aber beschäftigt und ist nicht anwesend. 

Für uns geht es daher noch zur Silfra-Spalte, vor der wir über ein paar watschelnde Gänse stolpern und wieder mal ein lustiges Schild entdecken. 

Hier kann man für das nötige Kleingeld im glasklaren und eiskalten Wasser des Langjökull-Gletscher zwischen den Kontinentalspalten schnorcheln oder tauchen. Die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über stabil bei kalten 2 bis 4 °C. Bestimmt ein tolles Erlebnis, aber uns definitiv zu kalt. Also geht es zurück zum Parkplatz. 

Mittlerweile ist es 14:00. Wir essen schnell unsere Brote und fahren zu unserer nächsten Unterkunft: Eine kleine Hütte direkt unter dem Eyjafjallajökull. Na, wer erinnert sich? Der unaussprechliche Vulkan, der 2010 in aller Munde war, da er große Teile des nord- und mitteleuropäischen Flugverkehrs lahmlegte. Hoffen wir mal, dass er heute Nacht Ruhe gibt! 


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