Wäsche waschen gehört zum Roadtrip dazu und wir konnten gestern noch eine Maschine voll machen. Trotz Trockner und persönlicher Betreuung in unserem Zimmer ist sie nicht ganz trocken. Eine Wäscheleine quer durchs Auto zu spannen scheint keine Alternative zu sein und so überlegen wir, ob wir eine Nacht verlängern sollen. Als Ausgangs- und Zielpunkt für unsere heutige Runde um die Snæfellsnes- Halbinsel käme das Hostel in Frage. Leider ist unser Zimmer aber schon vergeben und das einzig noch freie Zimmer erst ab 15:00 Uhr bezugsfertig. Ein Zwischenlager für unsere Wäsche gibt es auch nicht. Allerdings bietet uns der junge Mann von der Rezeption an, dass wir unsere Wäsche in ihrem Profi-Trockner noch mal trocknen können. Das Angebot nehmen wir gerne an und so können wir noch in Ruhe frühstücken und uns über chinesische Frühstücksgebräuche wundern.  Die jungen Damen stehen im Schlafanzug im Speiseraum und bereiten Nudelsuppe zu, während die Herren die Suppe schlürfend und rülpsend verspeisen. Dabei starren sie alle auf ihre Handys und schnattern dabei unentwegt vor sich hin. Nachdem unsere Wäsche getrocknet, gefaltet und im Keller unseres treuen Gefährten verstaut ist, verabschieden wir uns von dem netten Rezeptionisten. Er antwortet uns plötzlich auf Deutsch und wir erfahren, dass er eine deutsche Mutter hat. Nächstes To-do: Einkaufen! In Ólafsvík gibt es nur einen kleinen Supermarkt, der aber mit allem ausgestattet ist, was man hier im Nirgendwo braucht. Ich stolpere an der Brötchentheke zuerst über die Brezeln und danach über weitere deutsche Lebensmittel. Gibt es hier eine deutsche Exklave!? 

Jetzt kann unsere Rundreise losgehen. Heute stehen Wasserfälle, Kirchen, Krater, Felsformationen und Schluchten auf dem Programm. Die dünn besiedelte Halbinsel hat zahlreiche landschaftliche Schönheiten aufzuweisen und man nennt sie auch oft „Island in Miniatur“. Der Name lässt sich mit Schneeberginsel übersetzen und bezieht sich auf den legendären, eisbedeckten Schichtvulkan Snæfellsjökull. Er erhebt sich an der Spitze der Halbinsel aus dem Meer und ist von vielen Mythen und Legenden umgeben. Weltberühmt wurde der Gletscher durch Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, in dem der Krater des Vulkans als Startpunkt für den Abstieg dient.

Erstes Ziel ist mal wieder ein malerischer Wasserfall. Der Svöðufoss. Hinter ihm erstreckt sich der Snæfellsjökull, mit seinem schneebedeckten Gipfel, entlang des gut ausgebauten Weges plätschert der Laxá und die Sonne spitzelt über die BergeWir könnten hier noch stundenlang sitzen und das Panorama genießen, aber unser Zeitplan ist eng getaktet. Hier gibt es einfach zu viel zu sehen. 

Die Ingjaldshólskirkja zum Beispiel. Weiß mit rotem Dach, ist die 1903 auf einem Hügel bei Rif erbaute Kirche schon von weitem zu sehen. Und weil wir schon lange keine Schotterpiste gefahren sind, suche ich eine besonders holprige aus, um zur Kirche zu kommen. Leider ist sie verschlossen und so fahren wir weiter in das kleine Örtchen Hellissandur. Sie ist als Street-Art-Hauptstadt Islands“ bekannt, da dort Dutzende Häuser, Schuppen und alte Gebäude mit großflächigen Wandgemälden verziert wurden. 

Einsteigen bitte, nächster Halt: der Saxhóll-Krater! Rot-schwarz ragt er aus den umliegenden Lavafeldern empor. Es handelt sich um einen Schlackekegel, der bei einem explosiven Ausbruch entstand. Geologen datieren diesen auf die Zeit vor etwa 3.000 bis 4.000 Jahren. Das lockere, rostrote Gestein, das dem Krater seine Farbe verleiht, ist Schlacke – leichtes, luftiges vulkanisches Material, das während des Ausbruchs ausgeworfen wurde und sich nie zu fester Lava verdichtet hat. Wir laufen die 385 Stufen der 2016 installierten Treppe  hoch, zum Rand des Kraters. Von hier öffnet sich der Blick über das Lavafeld Neshraun – eine weite, zerfurchte Fläche, durchzogen von Moos. 

Wieder können wir eine Sehenswürdigkeit abhaken und die nächste liegt nur ein paar Kilometer weiter: Djúpalónssandur, der Strand der schwarzen Perlen. Er sieht aus, wie von einer anderen Welt. Bevor wir ihn erkunden, genießen wir noch unsere Brotzeit in dieser skurrilen Umgebung. Der dunkle Strand ist durch einen Vulkanausbruch entstanden, als Lava fast bis zum Meer floss. Der Weg zum Strand ist märchenhaft. Wir kommen uns vor wie bei „Herr der Ringe“: Skurril geformte Fels- und Lavagesteine säumen den Weg. Tief grüne Moose, und bunte Flechten bedecken die Felsen. Am Strand liegen überall rostige Wrackteile eines 1948 gestrandeten Frachtschiffs, bei dem nur fünf von neunzehn Besatzungsmitglieder gerettet werden konnten. Und auch das gibt es hier: die sogenannten „Kraftprobesteine“. Wer sich früher um einen Platz in einem Fischerboot in Dritvik bewarb, musste seine Kraft an diesen Steinen unter Beweis stellen. Entsprechend ihres Gewichts verdeutlichen die Namen der Steine die Kraft des Bewerbers: Der Stein namens „Ganzstarker“ wiegt 154 kg. Wer diesen Stein anheben konnte, hatte seinen Platz im Boot sicher. Der 100-kg-Stein heißt „Halbstarker“, der 54-kg-Stein „Brauchbarer“ und der kleinste mit 23 kg ist der „Schwächling“. Wollte man einen Platz auf dem Fischerboot ergattern, musste man mindestens den „Brauchbaren“ auf einen Felsabsatz etwa in Hüfthöhe wuchten – keine leichte Übung mit diesen runden Steinen! Was würdet ihr schaffen?

Nach dem Ausflug zum „Black Pearl Beach“ geht es nach Arnarstapi. Auch hier gibt es imposante Basaltklippen, natürliche Steinbögen und Meeresgrotten. Mir(i) tun die Füße weh, also macht sich Marco auf den Weg zum Aussichtspunkt um das obligatorische Foto zu schiessen. Leider läuft er erstmal der Herde nach und zum falschen Aussichtspunkt. Zur Belohnung wartet aber dafür ein frischer Cappuccino im Auto auf ihn. 

Der vorletzte Stopp ist die Rauðfeldsgjá-Schlucht. Übersetzt bedeutet dies soviel wie Rotmantelriss. Der Sage nach lebte Badur Snaefellsás, halb Mann halb Troll, mit seinen Töchtern in der Nähe von Hellnar. Sein Bruder Porkell lebte in Anarstapi mit seinen beiden Söhnen Raudfeldur und Sölvi. Eines Tages spielten ihre Kinder am Strand, als Raudfeldur Bárdurs älteste Tochter Helga auf einen Eisberg schubste, auf dem sie der Sage nach bis nach Grönland trieb. Helga blieb zwar unverletzt, doch Bádur war so wütend, dass er beide Brüder tötete. Raudfeldur stieß er in diese Schlucht, die seitdem seinen Namen trägt und Sölvi stieß er vom Sölvahamar-Kliff, nicht unweit der Höhle. Nach diesem Vorfall ging Bádur der Sage nach in den Gletscher und verschwand für immer. Allerdings wird gemunkelt, dass man, wenn man weit genug in die Schlucht hineinklettert, unter Umständen auf Bárdur treffen kann.Wir wollen das prüfen, obwohl ich mir beim Anblick des Hügels nicht so sicher bin. Aber irgendwie schaffe ich es dann doch hoch und stehe nach ein wenig Klettern mitten in dieser unwirklichen Schlucht. Mit Worten ist das alles nicht wirklich zu beschreiben. Die massive Felswand ist beeindruckend und es hat einen echten Abenteuerfaktor, wenn man durch den Fluss in der Schlucht watet. Ich bin froh, dass ich nicht vorher kapituliert habe und werde beim Ausgang noch mal mit einem herrlichen Ausblick über die Halbinsel belohnt. 

Bevor es Richtung Guesthouse geht, machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Búðakirkja, einer schwarzen Holzkirche, die einsam mitten im moosbewachsenen Lavafeld von Búðahraun steht. Der pechschwarze Anstrich schützt sie vor Wind und Wetter in dieser rauen Umgebung. 

Die 45 Minuten Fahrt zur heutigen Unterkunft vergehen wie im Flug und wir lassen den Tag Revue passieren! Was sind eure Highlights? Für uns war es definitiv die  Schlucht und der Strand der schwarzen Perlen. 


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