Was macht man an einem Seetag? Erstmal ausschlafen. Die See war heute Nacht gut zu uns- wir wurden seelig in den Schlaf geschaukelt und werden gegen 9:00 Uhr wach. Nachdem wir die Morgenrunde im Bad absolviert haben, geht Marco an Deck und ich bereite unser Frühstück vor. Es gibt Knäckebrot und Müsli mit Beeren, für Marco noch einen Cappuccino. Praktisch, wenn man alles dabei hat. 

Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen an Deck und genießen die frische Luft. Leider haben wir die Sonne irgendwo hinter Norwegen verloren und es ist grau und trist. Aber immerhin regnet es nicht und so können wir eine zeitlang hier verweilen und den Blick aufs Meer genießen. Als es langsam frisch wird suchen wir uns einen Platz in der Bibliothek. Während  das Meer an uns vorbeizieht, schauen wir einen Film oder lauschen den Gesprächen unserer Landsleute. Als die Augen langsam schwer werden, entscheiden wir uns für einen Kaffe in unserer Kabine und ein Nickerchen. 

Gegen 17:30 Schiffszeit machen wir Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln, also wieder an Deck und schauen, was die Natur zu bieten hat. Am Horizont erscheinen die ersten begrünten Felsen. Wir legen in Tórshavn an, der Hauptstadt. Der Hafen wird gesäumt von kleinen, roten und schwarzen Holzhäusern. Die Dächer begrünt, oder wie ich immer sage „mit Frisur“. Über dem Hafen kreisen die Möwen und im Hafenbecken trainiert die Rudermannschaft der Färöer. Wenn alles klappt, haben wir bei der Rückfahrt vier Stunden Aufenthalt und können uns zumindest das Regierungsviertel und die Altstadt ansehen. 

Pünktlich um 18:30 Uhr legen wir ab. Wir fahren zwischen den Inseln durch in den Nordatlantik. Aber was wir da zu sehen bekommen, ist mit der Kamera nur schwer einzufangen: Wilde, unberührte Natur, hohe Berge, zerklüftete Felsen, herabstürzende Wasserfälle und zwischendurch immer mal ein Häuschen. Wir kommen uns vor, wie Statisten in einer Naturdoku. Wir bleiben an Deck, bis unsere Finger so eingefroren sind, dass sie den Auslöser der Kamera nicht mehr treffen. Der Wind bläst aus Norden und mit gefühlt 1000 Fotos und Videos auf der Speicherkarte flüchten wir ins Warme. Zum Glück habe ich noch eine Festplatte zur Sicherung dabei, denn jedes dieser vielen Bilder ist einzigartig und keines davon so schlecht, dass es gelöscht werden könnte. Da fällt mir wieder die Werbung von Iceland Air ein, die dieses Jahr den schlechtesten Hobbyfotograf der Welt gesucht hat um zu beweisen, dass Islands Landschaften so atemberaubend sind, dass selbst bei völligem Untalent dort eindrucksvolle Bilder zu machen sind.  

Durchgefroren und immernoch beeindruckt verziehen wir uns zum Abendessen in unsere Kabine. Morgen müssen wir früh raus. Um 8:30 Uhr Ortszeit/ 9:30 Uhr Schiffzeit legen wir in Seyðisfjörður an. Eine Stunde vorher müssen wir die Kabine verlassen, also schnell in den Schlaf schuckeln lassen und auf ruhige See hoffen. 


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