Es ist Samstag oder? Wir haben irgendwie das Gefühl für die Zeit vergessen und checken gegen 10:00 Uhr aus. Wie jeden Tag sind die Aufgaben gut verteilt. Während Marco alles zusammenpackt, schreibe ich am Blog, um den einen Tag Rückstand endlich mal aufzuholen. Abends sind wir irgendwie immer so überwältigt von der ganzen Landschaft, dass wir einfach nur noch schlafen wollen. Sogar die Warnung vor Polarlichtern wird ignoriert. Für heute stehen ein paar der schönsten Wasserfälle Islands auf dem Programm. Danach geht es über Húsavík und Akureyri nach Varmahlíð, wo wir übernachten wollen. Wir verabschieden uns also von der schwefelhaltigen Luft und fahren gen Norden. Die Landschaft wirkt wieder genauso unwirklich wie gestern: eine vulkanische Wüste, komplett in Nebel gehüllt.
Zum Dettifoss, dem energiereichsten Wasserfall Europas, ist es nicht weit und so können wir vorm Einfallen der Touristenmassen zu einer kleinen Wanderung aufbrechen. Auch beim Dettifoss stellt sich wieder die Frage „West- oder Ostufer“? Wir nehmen diesmal den Parkplatz am Westufer, da dieser über eine asphaltierte Straße, statt einer Buckelpiste, erreichbar und der Zugang recht einfach sein soll. Von weitem sehen wir schon die Gischtwolke nach oben steigen. Es nieselt, das Thermometer zeigt 2,5 Grad und um nicht schon auf dem Weg zum Wasserfall nass zu werden, warten wir erstmal ab. Fünf Minuten später klart es auf. Wir packen uns warm ein, schnüren die Wanderschuhe und laufen los. Der Weg zur Aussichtsplattform führt uns durch eine Steinwüste, beschildert mit etlichen Wegweisern und Warnhinweisen. An einer Weggabelung werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass es zwei verschiedene Aussichtspunkte gibt, wovon einer nicht für Fusslahme geeignet ist und es schon häufiger zu Unfällen gekommen ist. Wir nehmen also zuerst den leichteren Weg zum Aussichtspunkt und staunen angesichts der tosenden Wassermassen, die hier über eine Breite von 100 Metern, ca. 40 Meter in die Tiefe donnern. Hier wird die Kraft des Wassers wieder spürbar. Zur Sicherung bzw. als Absperrung dient ein dickeres Seil. Immerhin halten sich die meisten hier an die Spielregeln und übertreten die Absperrungen nicht.
Nachdem wir unzählige Fotos und Videos geschossen haben, laufen wir noch ein Stück in Richtung Selfoss. Die Wege hier sind hier gut ausgebaut, o.k. das letzte Stück muss man ein wenig trittfest sein und über ein paar Felsen steigen, aber alles machbar. Der Sellfoss liegt ca. einen Kilometer oberhalb des Dettifoss und ist zwar nicht ganz so imposant, aber besticht durch viele kleine, aneinandergereihte Wasserfälle. Und wer uns kennt, weiß, dass wir natürlich auch den „gefährlichen“ Weg austesten. Wird schon nicht so schlimm sein. Wir folgen zwei Rangern, die hier für Ordnung sorgen und überwinden den ersten steinigen Hügel. Danach folgt ein gut ausgebauter Weg über Gittermatten. Einziges Problem: Die Gischt! Wir sind nicht nur triefnass davon, sondern sehen nichts mehr durch unsere Brillen. Vielleicht sollte man statt einem Warnhinweis eine Empfehlung an Brillenträger ausgeben?
Die Wasserfälle bringen etwas Farbe in die Landschaft, es wird grüner und am Wegesrand sind rosa Farbtupfer, von Erikabüscheln, zu finden. Entlang des Canyons Jökulsárgljúfur finden sich bizarre Basaltformationen, die man schnell mit Burgruinen verwechseln könnte. Bei Vesturdalur zeigt ein Abzweig zu einem Aussichtspunkt. Wir verlassen die geplante Route kurz und finden ein grünes Tal mitten im Canyon mit faszinierendem roten Kraterhügel (Rauðhólar). Hier könnte man noch eine Weile durch die skurrile Landschaft laufen, aber unsere heutige Unterkunft ist noch ein gutes Stück entfernt und die Zeit rast. Also wieder auf den geplanten Pfad und hoch ans Meer. Nächster Halt: Húsavík! Wir passieren die Küstenstraße und fühlen uns wie in Irland: grüne Wiesen, steile Klippen und das sanfte Meer.
Húsavík hat eigentlich nur eine Attraktion zu bieten: Walbeobachtungstouren. Neben Weißschnauzendelfinen und Schweinswalen finden sich hier manchmal auch Blauwale, Orcas oder Belugawale. Buckelwale sind die häufigste Walart in der Skjalfandi-Bucht. Diese sanften Riesen zählen zu den unterhaltsamsten Großwalen, die man beobachten kann. Vor dem Abtauchen zeigen sie stets ihre Schwanzflosse und an der Wasseroberfläche präsentieren sie viele weitere Verhaltensweisen, wie etwa Sprünge aus dem Wasser und Flossenschläge. Die nächste Tour startet um 16:30 Uhr und dauert drei Stunden. Der Wind ist eisig und die Boote voll. Bei einem Preis von 300€ für zwei Personen überlegen wir nur kurz: Wir fahren weiter. ie Wale müssen warten, denn wir sind noch zwei Stunden von unserer Unterkunft entfernt. Stattdessen schlendern wir ein wenig durch den Hafen, betrachten die 1907 erbaute Husavíkurkirkja und erfahren ein wenig über die Geschichte des ehemals kleinen Fischerorts. Der „Diamond Circle“ führt uns weiter Richtung Akureyri.
Vorher machen wir noch einen kleinen Abstecher zum wohl bekanntesten isländischen Wasserfall, dem Goðafoss, auch Wasserfall der Götter. Die Gischt ist auch hier aus der Ferne gut zu sehen. Auf jeder Seite des Wasserfalls gibt es einen Parkplatz. Durch die halbrunde Form des Wasserfalls ist es diesmal praktisch egal, wo wir parken, zumal die Ufer durch eine Brücke miteinander verbunden sind. Vom kostenlosen Parkplatz (schon der zweite heute), führt ein kurzer Spaziergang zur Aussichtsplattform. Der geschwungene, hufeisenförmige Wasserfall Goðafoss spielt in der isländischen Geschichte eine wichtige Rolle. Im Jahr 1000 hatte der Gesetzgeber Thorgeirr Ljósvetningagoði die unbestreitbare Aufgabe, die offizielle Religion Islands zu wählen: germanisches Heidentum oder Christentum.Er beriet sich in dieser Frage mit dem Christen Halldur aus dem Bezirk Siða und entschied sich nach 24-stündiger stiller Überlegung für das Christentum. Als Zeichen für seinen Entschluss warf er alle seine nordischen Statuen in den Wasserfall.
Für uns geht es weiter nach Akureyri, der Hauptstadt des Nordens, wie sie oft genannt wird. Sie liegt am Ende des 90km langen Eyjafjörður und zählt eher zu den jüngeren Städten Islands. Obwohl der erste Siedler der Gegend „Helgi der Magere von den Orkney Inseln“ (ja, der hieß wirklich so) sich schon vor der Landnahmezeit hier niederliess. Viel gibt es für uns nicht zu sehen und so nutzen wir den Stopp zum Tanken und für ein paar Einkäufe. Obwohl etwas besonderes gibt es hier doch noch: Die einzigste Mautstrasse Islands, den Vaðlaheiðargöng-Tunnel! Wir tappen fast in die Falle, können aber noch rechtzeitig drehen und den (landschaftlich viel schöneren) Weg in die Stadt nehmen! Kleiner Hinweis am Rande: Wer das eigene Fahrzeug nach Island einführen möchte, zahlt bei der Zollanmeldung eine Pauschale Straßennutzungsgebühr für 30 Tage. Danach wird jeder Kilometer berechnet. Man bekommt jedoch keine Vignette oder Ähnliches, sonder muss bei der Ein- und Ausreise den aktuellen Kilometerstand online angeben.
Hinter Akureyri geht es durch ein grünes Tal nach Varmahlíð, wo unsere Unterkunft liegt. Die Sonne strahlt zum Abschied des Tages noch mal kräftig und am Wegesrand grasen Schafe und Island-Ponys (sorry, Pferde)! Weiß von euch eigentlich jemand, warum isländische Schafe immer in Dreier-Gruppen grasen? Wir erreichen unser Hostel gegen 20:00 Uhr. Die Sonne geht gerade unter und der Wind ist eiskalt. Hinter dem Hostel ragt ein schneebedeckter Gipfel empor.Der Check-in verläuft reibungs- und kontakt- und schuhlos. Letzteres gehört in Island zum guten Ton: Beim Betreten eines Wohnhauses werden die Schuhe ausgezogen. Solltet ihr also mal nach Island kommen, lasst die löchrigen Socken zu Hause und packt ein paar Hausschuhe ein! Unser Zimmer liegt im zweiten Stock, das Bad neben an. Die Küche im Erdgeschoss ist schon in die Jahre gekommen, aber um sich schnell was essbares zuzubereiten, reicht es. Es gibt Pilzrisotto und Gurkensalat. Fun Fact: Auf Island werden zwar Tomaten angebaut, aber Gurken waren tro das günstigste Gemüse was ich gefunden habe. Und so endet wieder ein Tag voller Erlebnisse und vieler Marmelandenglasmomente!





















































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