Der Wecker klingelt um 7:00 Uhr- unsere bisher längste Fährfahrt steht bevor. Ein Blick vor die Tür zeigt Sonne und ein wenig aufsteigenden Nebel. Es ist windstill! Hoffentlich ein gutes Zeichen für eine ruhige Überfahrt. Vorher müssen wir noch unsere restlichen Sachen zusammen packen und die kleine Hütte auf Vordermann bringen.
Um 9:30 beginnt der Check-in am Hafen von Hirtshals. Wir sind pünktlich, wie gefühlt tausend andere auch! Von Motorrädern, Campern, Off-road-Monstern bis hin zu einfachen Mittelklasse-Wagen, alles ist vertreten. In Linie 6 stellen wir uns hinter eine Gruppe Motorradfahrer aus Deutschland und rätseln ob dies wirklich der richtige Anleger ist. So viele Menschen können doch gar nicht nach Island wollen. So viele Deutsche erst Recht nicht- denn wir sehen überwiegend deutsche Kennzeichen. Die Fähre scheint noch nicht da zu sein & nachdem wir drei Mal die Adresse des Check-ins geprüft haben, steigt die Unsicherheit noch mehr. Sind wir hier wirklich richtig? Marco entschließt sich nach vorne zu laufen und Infos einzuholen. Allerdings sind die Schalter alle noch geschlossen und auf den Anzeigetafeln prangt groß die Aufschrift „Kristiansand/ Fjordline“. Das ist weder unser Ziel, noch die Fährgesellschaft. Langsam werden wir unruhig und versuchen Fakten zu sammeln. Vielleicht handelt es sich um einen gemischten Check-in für Island und Norwegen? Ich prüfe den Live- Standort der Norröna und siehe da: Sie manövriert gerade an den Anleger neben uns. Aber warum steht hier nirgends unser Zielhafen oder wenigstens die Fährgesellschaft? Als sich der Tross in Bewegung setzt, weil der Check-in beginnt, steigt die Aufregung noch mal. Da taucht plötzlich ein Isländisches Kennzeichen, direkt neben uns auf. Und noch eins! Sind das die Indizien dafür, dass wir doch am richtigen Terminal stehen? Wir nähern uns in Schrittgeschwindigkeit dem Schalter, Buchungsbestätigung, Zollammeldung für unser Auto und Ausweise zur Hand, da schlägt die Anzeige auf „Färöer/ Tórshavn“ um. Nicht ganz unser Ziel, aber definitiv nicht Norwegen! Erleichterung macht sich breit & und als wir an der Reihe sind, werden wir freundlich mit „Marco & Mirjam?“ begrüßt. Ja, das sind wir. Auf dem Weg nach Island! Wir reichen dem jungen Mann unsere Ausweise und bekommen dafür unsere Zimmerkarten und die Anweisung, uns in Reihe 28 einzuordnen. Direkt hinter dem Check-in wartet der Zoll, der stichprobenartig kontrolliert. Aber nicht nur die übliche „Schmuggelware“ wird unter die Lupe genommen. Auch Lebensmittel stehen auf der „roten Liste“. Die Einfuhr von Obst und Gemüse, ungekochten Milchprodukten oder rohen, geräucherten Fleischwaren (wie Salami, Rohschinken oder Speck) ist strengstens verboten. Trockenprodukte und Konserven sind erlaubt, jedoch maximal 3 Kilo pro Person. Ich bin froh, dass die Beamten alle beschäftigt sind und dirigiere Marco schnell in Richtung der genannten Reihe. Den Kofferraum noch mal aus- und wieder einzuräumen würde gerade noch fehlen. Mal ganz abgesehen von unserer gefüllten Kühltasche, in der sich Proviant für die Überfahrt befindet, von dem das ein- oder andere vielleicht nicht eingeführt werden dürfte.
Jetzt heißt es erstmal warten. Die Sonne heizt uns dabei gut ein und wir können uns unsere Mitreisenden noch mal genauer ansehen. Tatsächlich wollen wohl alle nach Island oder auf die Färöer-Inseln. Von Off-road und Möchtegern-Off-road-Fahrzeugen bis zu riesigen Expeditionsmobilen ist alles dabei. Der Patkplatz könnte dem Caravan-Salon Konkurrenz machen. Daneben kommen wir uns klein und unbedeutend vor. Erst als neben uns ein rotes Oldtimer-Cabrio mit deutschem Kennzeichen auftaucht, realisieren wir, es gibt noch Verrücktere als uns. Kurz darauf dürfen wir endlich auf die Norröna auffahren. Nachdem wir unseren Stellplatz zugewiesen bekommen, heißt es „Tasche packen und zur Kabine“. Die befindet sich zum Glück auf Deck 5, nur eine Etage höher und trotz der vielen Passagiere, ist es weit weniger hektisch als z.B. letztes Jahr in Schweden. Dank des freundlichen Personals finden wir unsere Koje, eine 4-er Innenkabine, und können so noch vorm Ablegen an Deck. Schnell noch den Lieben daheim Bescheid geben, dass wir jetzt 2,5 Tage „digital detox“ machen und dann ein gemütliches Plätzchen mit Aussicht suchen.
Das finden wir in der Laterna-Bar, wo gemütliche Loungeliegen zu einem Nickerchen nach der ganzen Aufregung einladen. Und so vergeht der Nachmittag auf See: Eine Mischung aus Rumlungern und die (vielleicht) letzten Sonnenstrahlen einfangen, lesen, das Schiff erkunden, Kaffee trinken und dabei den Blick über die flache See und die Westküste Norwegens schweifen lassen oder im Dutyfree stöbern. Die anderen Passagiere handhaben es ähnlich. Im Großen und Ganzen verläuft sich die Masse an Menschen ganz gut.
Zur Abendessen-Zeit leeren sich die Reihen an Deck und auch wir verkriechen uns in unsere Koje! Dort wartet ein 5-Sterne-Deluxe-Mahl, bestehend aus Asia-Nudeln mit (daheim selbst gedörrtem) Gemüse an Pølser und ein Fruchtquark mit Banane und Himbeeren auf uns (den Part weiter oben, bzgl. Obst und Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren ignoriert ihr jetzt bitte).
Nach unserem Kochkurs mit dem Motto „deliziöse Wasserkocher-Küche“ geht es zum Sundowner an Deck. Wir haben mittlerweile die Norwegische Küste verlassen und befinden uns im Nordmeer. Der Wind hat etwas zugenommen, aber der Wellengang ist (auch mit vollem Magen) noch erträglich. Nach dem „Touchdown“ leeren sich auch hier schnell die Reihen. Wir wollen einen Film schauen und etwas Karten spielen und suchen uns eine ruhige Ecke. Die Laterna-Bar kommt nicht in Frage, hier ist Karaoke angesagt und von weitem vernehmen wir schon ein schräges „Sweet Caroline…“- nichts für uns. Die Bibliothek scheint der perfekte Ort für uns: wenig los und schön ruhig. Bis eine junge Dame mit Gitarre auftaucht und durch das Mikrofon mitteilt: „Hi, I’m Chris and your unplugged singer for tonight!“ – das war‘s dann wohl mit Film und Ruhe! Das nächste Mal gehen wir einfach ins Board-Kino (ja, das gibt es hier tatsächlich) oder gleich ins Bett.





















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